WhatsApp

Hätte mal jemand die AGB gelesen, dann wüsste er auch, dass die WhatsApp-Altersbeschränkung bei 16 Jahren liegt. Überrascht? Wartet mal ab, das ist nicht die einzige Überraschung…

Fast jeder hat es auf seinem Smartphone und benutzt es nicht nur einmal am Tag. Im April 2015 nutzten über 800 Millionen Menschen den Messenger-Dienst. Im Vorjahr, April 2014, waren es "erst" 500 Millionen. In Deutschland nutzen etwa 35 Millionen Menschen diesen Dienst. (Quelle: http://de.statista.com/)

Was macht den Messenger so beliebt? Seine vielfältigen Funktionen natürlich: Nachrichten verschicken, Fotos/Videos/Audiodateien verschicken, Gruppenchats einrichten, den eigenen Standort an "Freunde" verschicken, seit kurzem beim Android-Betriebssystem und in der jüngsten Version von WhatsApp auch beim iOS sogar telefonieren. (Ihr bemerkt schon, es gibt bei der Nutzung von WhatsApp Unterschiede für die einzelnen Betriebssysteme.)

Kosten

Und da das Ganze über das Internet läuft, ist es "kostenlos"... Die App selbst ist auch kostenlos. Aber kostet es wirklich sonst nichts?

Doch. Erst einmal eure Daten! Und je nachdem welchen Vertrag ihr habt, können beim Telefonieren auch noch ein paar Cent oder Euro hinzukommen. Denn wenn ihr per Internet telefoniert, verbraucht ihr Datenvolumen. Handysektor.de hat es ausprobiert und festgestellt, dass ihr für ca. 4 Minuten 1MB Datenvolumen verbraucht und für 10 Minuten 2,5 MB. Also je nach euren Vertragsbedingungen und wieviel und wie lange ihr telefoniert, kann noch einiges an zusätzlichen Euros auf eurer Abrechnung stehen (wenn ihr keine Sperre habt und sich das Datenvolumen automatisch auffüllen lässt).

Denn nicht alle von euch haben eine Internetflatrate, sondern oft nur ein gewisses Datenvolumen frei. Hier solltet ihr wirklich euren Handyvertrag noch einmal ansehen, wenn ihr die Funktion des Telefonierens über WhatsApp nutzt. Ist aber eine gute Alternative zum Telefonieren mit Freunden, die z.B. in Frankreich wohnen. Dann solltet ihr aber im WLAN-Netz sein, denn sobald einer nicht darin ist, ist der Empfang wirklich alles andere als gut.

Kommen wir noch einmal auf die Bezahlung mit Daten zurück. Als WhatsApp von Facebook aufgekauft wurde, habt ihr vielleicht noch in Erinnerung, dass viele Erwachsene sich sofort bei WhatsApp abgemeldet haben, da sie schon von Facebook  nicht mehr so begeistert waren. Denn nachdem herauskam, dass man Facebook die Rechte an seinen IP-Inhalten wie Fotos oder Chats überträgt (so steht es eben in den AGBs, die leider niemand liest) war jeder schockiert. Und dann noch die Schwierigkeiten mit den Privatspähre-Einstellungen. Da war das mit WhatsApp zu viel.

Aber bereits vorher war eigentlich schon bekannt, dass die App so einige Zugriffsrechte auf das Smartphone verlangt. Akzeptiert man sie nicht, kann man WhatsApp nicht nutzen. (Bei iOS könnt ihr übrigens nach dem Herunterladen von Apps noch einige Zugriffsrechte deaktivieren bzw. nicht akzeptieren)

Datenschutz

So verlangt WhatsApp Zugriffsrechte auf euer Telefonbuch. Ist doch aber praktisch, man bekommt sofort angezeigt, wer von seinen Freunden und Bekannten noch bei WhatsApp ist. Doch wenn ihr genau überlegt, ist das doch schon ein bisschen unheimlich, was da so mit den Daten auf dem Smartphone passiert. Die Kontakte werden übertragen, es entstehen automatisierte Kontaktlisten denn man ist nun ja mit der Handynummer im System registriert wie die anderen Nutzer auch. Das Telefonbuch wird durchgescannt und die WhatsApp-Nutzer angezeigt.  Und die Betreiber können sehen, wer sich untereinander so alles kennt. So, und dann werden die Daten auf den WhatsApp-Server in die USA weitergeleitet. WhatsApp gibt an, die Daten nach einer Aktualisierung auf dem Server wieder zu löschen… WhatsApp gehört jetzt zu Facebook, auch dies sollte man immer bedenken…

Was ist nun mit euren Nachrichten, Fotos und Videos, die ihr verschickt? Bis Ende 2014 konnte WhatsApp alles mitlesen, der Datenschutz war also nicht besonders. Ihr müsst immer bedenken, dass es hier um eure persönliche Daten geht: Nachrichten, Fotos usw.

Mittlerweile gibt es die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Das heißt alle eure Nachrichten werden verschlüsselt, wenn ihr sie abschickt und erst am Ende beim Empfänger werden sie wieder "entschlüsselt".  Diese Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gilt auch für Nachrichten in Gruppenchats, für eure verschickten Fotos oder Videos und Audiodateien. Die Nachrichten werden allerdings auf dem WhatsApp-Server in der USA so lange gespeichert, bis sie beim Empfänger ankommen, also bis ihr zwei Häkchen bei ihm seht. Ist der Empfänger nicht online, kann es daher sein, dass eure Nachricht mehrere Stunden auf dem Server liegen. Können sie nicht zugestellt werden, werden sie nach den AGB der App nach 30 Tagen gelöscht. Ach ja, Datenschutz ist in den USA bei weitem nicht so streng wie hier in Deutschland.

Ein weiteres Problem der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist, dass es sie noch nicht für iOS gibt, d.h. nämlich jetzt, wenn ihr ein Samsung habt und euer Empfänger ein I-Phone, dann sind die Nachrichten wieder nicht verschlüsselt.

Und dann habt ihr wieder das gleiche Problem wie vor der Verschlüsselung. Wenn ihr über eine unverschlüsselte WLAN-Verbindung kommuniziert, dann können eure Nachrichten und Dateien eventuell von Dritten mitgelesen werden. Es kann auch euer Account gehackt werden. Denn WhatsApp ist leider auch für seine Sicherheitslücken bekannt. Deshalb ist es ratsam, WhatsApp, wenn möglich, nur über sichere WLAN-Verbindungen zu nutzen und vor allem immer die neueste Version aufzuspielen, denn gerade bei den alten Versionen sind die Sicherheitslücken noch sehr hoch.  

Und dann hat die heise-security die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung mal genauer unter die Lupe genommen. Der Sicherheitscheck hat ergeben, dass man nicht genau wissen kann, ob die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung tatsächlich immer zum Einsatz kommt. Wer es ganz genau wissen will, kann hier nachlesen.

Vielleicht noch ein Hinweis für euch, was WhatsApp in den AGBs schreibt: Sie geben die Daten nicht an Dritte weiter, um sie kommerziell zu nutzen usw., aber das Teilen der Daten mit Dritten ist dann möglich, wenn es zu Zwecken der Verbesserung der App dient...

Das lassen wir jetzt einfach mal so stehen!

Einiges aus den Nutzungsbedingungen von WhatsApp findet ihr hier auf deutsch übersetzt. 

Facebook und WhatsApp sind jetzt übrigens miteinander verzahnt. D.h. facebook kann nun auf deine KOntakte zugreifen, also auf deine Telefonnummern und weiter sogar Ja, und wie immer, ablehnen geht nicht, es sei denn ihr wollt auf WhatsApp verzichten. Allerdings könnt ihr zumindest nachträglich ablehnen, dass die Profilinformationen zur Personalisierung der Werbung und die Freunde-Vorschläge eingesetzt werden. Wie das geht und ob das überhaupt etwas bringt, erfahrt ihr hier.

Zuletzt-Online-Status: Das problem mit den Häkchen

Jetzt war bereits die Rede von den Häkchen. Wenn ihr eine Nachricht verschickt habt, erscheint ein Häkchen. Wenn die Nachricht nicht rausgeht, weil ihr keine Internetverbindung habt, seht ihr bei der Nachricht ein kleine "Uhr". Die Nachricht wird jetzt erst weitergeleitet, sobald ihr eine Internetverbindung habt. Und wenn ihr später zwei  Häkchen seht, dann hat der Empfänger die Nachricht erhalten. Werden die Häkchen dann auch noch blau, hat er sie gelesen. Und da gehen jetzt die Probleme oft los. Man weiß, dass der andere die Nachricht erhalten hat, wartet auf Antwort und meldet er sich nicht. Das ist schon blöd. Die Gedanken kreisen: "Hat sie/er keine Lust, mir zu antworten?",  "Ist sie/er sauer auf mich?" usw. Nein, manchmal hat man nur gerade keine Zeit, zu antworten… Also, macht euch da nicht zu viel Stress, man kann nicht immer jede Sekunde/Minute zur Verfügung stehen - auch nicht im Zeitalter von WhatsApp!

Wenn ihr solche Probleme vermeiden wollt, dann könnt ihr auch euren Zuletzt-Online-Status deaktivieren. Das geht für iOS und für Android. Dazu geht ihr in die Einstellungen, und dort weiter in den Account. Unter Datenschutz könnt ihr nun den Status ändern. Stellt ihr "Niemand" ein, wird euer Zuletzt-Online-Status nicht mehr von anderen gesehen und ihr seht ihn nicht mehr von den anderen.

So, jetzt habt weiter Spaß mit WhatsApp, aber denkt vielleicht immer an die Infos, die ihr jetzt über WhatsApp habt und seid ein bisschen vorsichtig, mit dem WAS ihr verschickt oder schreibt. Denn spätestens jetzt sollte klar sein, dass Nachrichten mit Informationen, wo der Haustürschlüssel versteckt ist, auf anderem Wege zum Empfänger gelangen sollten. Und denkt in öffentlichen Cafés an die unverschlüsselten WLAN-Verbindungen.